Sein Zuhause - Sein Weg

 

Am 13. September wird in Lüdenscheid ein neuer Bürgermeister gewählt. Im vergangenen Jahr Dieter Dzewas an, nach 16 Jahren im Amt nicht erneut zur Bürgermeisterwahl antreten zu wollen. Zügig einigten sich die Lüdenscheider Sozialdemokraten auf einen Personalvorschlag: Sebastian Wagemeyer, 43 Jahre alt und Schulleiter des Zeppelin-Gymnasiums, wird Bürgermeisterkandidat für „sein Zuhause“.

 

 

 

Weit über 200 Menschen kamen am 30. Oktober 2019 zu dieser Vollversammlung in das Lüdenscheider Kulturhaus. Der Bereich im Foyer des Theatersaals war so weit gefüllt, dass zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten. Mehr als die Hälfte der Anwesenden hatte kein SPD-Parteibuch. Viele wollten mit ihrer Anwesenheit damals schon ihre Unterstützung für Wagemeyers Bürgermeisterkandidatur bekunden. Andere waren einfach neugierig. Wer ist der „Neue“?

 

„Wir wollen, dass alle mitmachen!“

 

Vor der Nominierungsveranstaltung im Kulturhaus luden Wagemeyer und die SPD zu verschiedenen Veranstaltungen in ein eigens eröffnetes „Pop-Up-Büro“ in der Oberstadt ein. Hier sollten erste Ideen für ein Wahlprogramm gesammelt werden. Auch zu diesen Veranstaltungen fanden sich viele Bürgerinnen und Bürger ohne SPD-Mitgliedschaft ein. Gespräche mit Geschäftsführungen großer und kleiner Unternehmen, Vereinen, Gewerkschaften und dem Lüdenscheider Arbeitgeberverband ergänzten die Vorarbeiten für das Wahlprogramm. 

 

 

Im Januar 2020 folgte eine groß angelegte Stadtteilumfrage auf der neuen Internetseite der Sozialdemokraten. Dann kam der Ausbruch der Corona-Krise. Weitere geplante öffentliche Veranstaltungen zur Programmerstellung konnten nicht stattfinden. Die SPD machte aus der Not eine Tugend und rief dazu auf, Ideen bis zum Beginn der Sommerferien über die sozialen Netzwerke und die Webseite zu übermitteln. Fast 50 weitere Vorschläge sind eingegangen. „Lüdenscheid ist unser gemeinsames Zuhause. Wir stehen nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen. Diese Herausforderungen werden wir nur gemeinsam meistern können. Wir wollen, dass alle mitmachen!“, beschreibt Wagemeyer seinen Wunsch nach einer neuen Beteiligungskultur in der Kommunalpolitik. 

 

Arbeiterkind: Nach dem Kindergarten mit der Großtante zurück in die Stadt

 

Sebastian Wagemeyer kam 1976 als klassisches Arbeiterkind in Lüdenscheid zur Welt. Mutter Ilona war als Krankenpflegerin im Krankenhaus in Hellersen tätig. Vater Rolf arbeitete viele Jahre bei P.C. Turck, dem ältesten Unternehmen der Stadt. Eine breite Kita-Landschaft wie heute gab es damals nicht, schon gar nicht eine Garantie für einen Ganztags-Betreuungsplatz in der Nähe. Die ersten Lebensjahre verbrachte Sebastian Wagemeyer mit seinen Eltern am Worthhagen. Er besuchte den Kindergarten in Altroggenrahmede: „Mein Opa und meine Großtante haben dort gewohnt. Unsere Großtante hat uns immer vom Kindergarten abgeholt und dann mit dem Bus zurück in die Stadt gebracht, damit meine Eltern arbeiten gehen konnten.“

 

 

Es folgte der Umzug in die Innenstadt. Direkt am Rosengarten zogen Wagemeyers ein. Mittlerweile war die kleine Schwester Eva geboren. Nach dem Besuch der Pestalozzi-Grundschule wechselte Sebastian Wagemeyer als erstes Kind seiner Familie auf das Bergstadt-Gymnasium, um dort sein Abitur zu bauen. Doch nicht nur Pauken war auf der Schule angesagt: Das Engagement in der Schülervertretung und insbesondere die Tätigkeit als Begleiter der Ameland-Freizeiten prägten ihn.

 

 

 

Das Bergstadt-Gymnasium feiert in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen der Ameland-Fahrten. Tausende Kinder sind seitdem im siebten Jahrgang zur Klassenfahrt auf die niederländische Insel in Westfriesland gefahren. Als Jugendlicher begleitete Sebastian Wagemeyer Ferienfreizeiten der Caritas dorthin. Kein Wunder, dass irgendwann die Lehrer des Bergstadt-Gymnasiums auf ihn zukamen und fragten, ob er nicht auch die Schulfreizeiten mit begleiten wolle. Dies tat er – zunächst als Schüler und später als Referendar und Lehrer. 

 

 

 

In der Rockmusik fand er seine Leidenschaft

 

Die Jugend verbrachte Wagemeyer in Jugendzentren und draußen in der Stadt. Auf dem Skateboard probierte er seine Tricks aus. In der Rockmusik fand er seine Leidenschaft – unter anderem von 1995 bis 2003 als Frontmann der Lüdenscheider Band „root“. Die Band produzierte zwei CDs und ging auch im europäischen Ausland auf Tournee. Bis zu 5.000 Menschen schauten auf Festivals der Gruppe zu. Neben dem Studium jobbte Wagemeyer als DJ in verschiedenen Klubs und Kneipen Lüdenscheids. Bis heute tritt er als Gastmusiker unterschiedlicher Bands auf oder „solo“ mit seiner Gitarre im Gepäck. Kunst und Kultur begleiten den Bürgermeisterkandidaten bis heute. Kein Wunder, dass es mitunter seine Initiative gewesen ist, Kulturschaffenden und Kulturinteressierten mit dem Kulturbeirat ein Forum zu geben, das Antragsrecht im städtischen Kulturausschuss hat.

 

 

1996 ging es zum Studium nach Bochum – Anglistik und Geschichte auf Lehramt. Es folgte das Referendariat am Bergstadt-Gymnasium. Dort war Wagemeyer bis 2015 als Lehrer tätig, bis er dem Ruf des Zeppelin-Gymnasiums folgte, um dort Schulleiter zu werden. Eine ehrenvolle Aufgabe, schließlich ist es das älteste Gymnasium Lüdenscheids.

 

Seit 2001 ist Sebastian Wagemeyer Mitglied der SPD. 2014 wurde er Mitglied des Stadtrats. Dafür musste ein Direktmandat am Buckesfeld errungen werden. Keine einfache Aufgabe: Immerhin war der amtierende CDU-Ratsfraktionsvorsitzende bislang dort Inhaber des Direktmandats. Doch auch diese Hürde wurde geschafft. Die Arbeit im Schulausschuss und im Kulturausschuss wurden zum politischen Schwerpunkt. Vor zwei Jahren kam die Übernahme des Vorsitzes der Steuerungsgruppe für die Regionale 2025. Dort wurde die Idee erarbeitet, mit dem „Lernfabriksken“ digitales Lernen zu stärken.

 

Kinder sollen ihr Leben frei gestalten können

 

Nun möchte Sebastian Wagemeyer am 13. September Bürgermeister werden. Der Vater von zwei Kindern (zwei und vierzehn Jahre alt), der mit seiner Familie fußläufig zur Innenstadt wohnt, möchte etwas zurückgeben: „Als Arbeiterkind habe ich großes Glück gehabt. Weil meine Familie für mich da war und weil die SPD damals eine Menge dafür getan hat, dass Kinder wie ich mal Abitur machen können. Auch das Umfeld in Lüdenscheid – meinem Zuhause – hat gepasst. Das Thema Chancengleichheit umtreibt mich sehr. Ich möchte, dass unsere Kinder auch in Zukunft das Glück haben werden, ihr Leben frei gestalten zu können. So, wie mir das möglich gewesen ist. In diesem Sinne will ich mit den Menschen, die hier leben, an unserem Zuhause arbeiten!“

 

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